BelTA Projekt
Minsk und seine Bürger
Von der ersten Erwähnung bis heute
950 Jahre Minsk
Minsk ist ein politisches, wirtschaftliches und kulturelles Zentrum von Belarus. Die Stadt liegt im Zentrum des Landes und ist 348,85 Quadratkilometer groß. Hier wohnen 1 Mio. 966,3 Tsd. Menschen (Stand: September 2016) oder ein Fünftel der Gesamtbevölkerung.

Gegründet als Festung des Fürstentums Polozk hat sich Minsk vom Zentrum eines Teilfürstentums und später einer Woiwodschaft zu einer Gouvernementsstadt und schließlich zur Hauptstadt eines 10-Millionen-Einwohner-Staates entwickelt. In seiner fast 1000-jährigen Geschichte brannte Minsk mehrmals völlig nieder, wurde aber immer wieder aufgebaut, entwickelte sich und blühte auf.
Eine kurze Stadtgeschichte

Es gibt eine Legende, die besagt, dass Minsk von Menesk gegründet wurde, einem edlen Recken und Zauberdoktor, der sich an der Brücke über den Fluss Swislotsch niedersiedelte. Menesk baute am Wasser eine wunderbare Steinmühle mit 7 Rädern, die nicht das Getreide, sondern riesige Feldsteine zu Mehl mahlte. Um Mitternacht fuhr Menesk mit seiner Mühle über die herumliegenden Siedlungen und suchte kräftige und tapfere Burschen für sein Gefolge. So entstand an der Menesk-Mühle ein ganzes Volk, welches eine Stadt baute, die später Mensk genannt wurde.

Die wahre Geschichte von Minsk (Menjsk, Menesk, Minesk) beginnt aber mit der ersten urkundlichen Erwähnung in der Nestor-Chronik, die auf den 3. März 1067 datiert wird und mit der blutigen Schlacht an der Nemiga in Zusammenhang steht.
Die Archäologen glauben, dass Minsk zu Beginn des 10. Jahrhunderts gegründet wurde. Höchstwahrscheinlich vom Polozker Fürst Wseslaw Tscharodej (der Zauberer), der am Fluss Swislotsch eine Stadt gründete, die später den Namen Mensk erhielt.

Das Schloss Mir wurde im 11. Jahrhundert als eine mächtige Festung an der südlichen Grenze des Fürstentums Polozk gegründet.
Zu Beginn des 12. Jahrhunderts war Minsk Zentrum eines Teilfürstentums. Der erste Minsker Fürst war Gleb, Sohn von Wseslaw dem Zauberer, Begründer der Fürstendynastie Glebowitschi, die über 200 Jahre das Fürstentum Minsk regierte.
Das gesamte 12. Jahrhundert hindurch wurde die Stadt von schweren politischen Unruhen zerrissen und wechselte daher immer wieder den Herrscher. Trotz häufiger Kriege wurde Minsk zu einer der größten Städte des Fürstentums Polozk. Dank seiner günstigen geographischen Lage verwandelte sich Minsk rasch in ein großes Zentrum für Handel und Gewerbe.
Im 14. Jahrhundert wurde das Fürstentum Minsk in das Großfürstentum Litauen eingegliedert.

Im März 1499 erhielt Minsk das Magdeburger Stadtrecht.

Im Jahr 1505
überfiel der Khan von Krim Mehmed I. Giray an der Spitze eines großen Heeres belarussische und litauische Territorien. Minsk wurde geplündert und niedergebrannt, die Stadtfestung blieb aber nicht erobert. Als die Pest ausbrach, wurden die Tataren zum Rückzug gezwungen. Dem Schwarzen Tod fielen jedoch zahlreiche Stadtbewohner zum Opfer.
Gebäude des Stadtmagistrats auf dem Sobornaja-Platz. Gebaut Anfang des 16. Jh.
Im Jahr 1591 erhielt die Stadt Minsk ein eigenes Wappen. Es stellt die Jungfrau Maria auf dem blauen Barockschild zwischen zwei Engeln und Cherubimen dar.

Im 17. Jahrhundert erlebte Minsk mehrere Veränderungen. Das Stadtbild hat sich gewandelt, das gesellschaftliche und kulturelle Leben wurde bunter und facettenreicher. Seit dem Ende des 16. Jahrhunderts funktionierten in Minsk kirchliche Bruderschaften. Eine Kehillah (jüdische Gemeinde) fasste hier Fuß. Für die Minsker Tataren wurde die erste Moschee gebaut. Eine besondere Wirkung auf das religiöse Leben von Minsk übten dennoch die unierte und die römisch-katholische Kirchen aus.

Nach dem Russisch-Polnischen Krieg (1654-1667) zählte Minsk rund 2000 Einwohner, deutlich weniger als vor dem Krieg (ca. 10 Prozent).
1700 brach ein neuer Krieg aus. Belarussische Territorien wurden zum Kriegsschauplatz für russisch-sächsische und schwedische Armeen. Die große Pestepidemie von 1708 erreichte Minsk, in demselben Jahr brannte die Stadt zu großen Teilen nieder.

Weder ein starker Bevölkerungsrückgang noch eine wirtschaftliche Rezession vermochten es, die Stadt auf ihrem Entwicklungsweg aufzuhalten. 1717 wurde zwischen Minsk und den größten Städten des Landes eine Postverbindung angelegt.

Ab 1793
gehörte Minsk zum Russischen Reich und hatte ab 1796 den Status einer Gouvernementsstadt (im Gouvernement Minsk). Im auslaufenden 18. Jahrhundert zählte die Stadt 6000 Einwohner und 1000 Häuser.

Am 16. Juni 1812 begann Napoleon seinen Russlandfeldzug und schon am 26. Juni wurde Minsk von französischen Truppen besetzt. Die Stadt wurde zum Zentrum des vom französischen Kaiser wiederhergestellten Großfürstentums Litauen.

Am 17. November 1812 rückte die russische Armee in Richtung Wilno vor und eroberte Minsk zurück. Die Stadt wurde wieder zu einem Gouvernementszentrum des Russischen Reiches.
Gebäude des Stadttheaters, Ende 19./Anfang 20. Jh.
Minsk ist eine Stadt mit reichen revolutionären Traditionen. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts war es die russische Befreiungsbewegung, die das gesellschaftliche Leben der Stadt prägte.

Der Wiederaufbau der Stadt Minsk begann Mitte des 19. Jahrhunderts. In der Stadt gab es mehrere Druckereien. Im Jahr 1836 empfing die öffentliche Bibliothek ihre ersten Besucher. In Minsk wurde die erste Nummer der offiziellen Zeitung „Minskije gubernskije wedomosti" herausgegeben, die daraufhin regelmäßig erschien.
Katholische Kathedrale auf dem Sobornaja-Platz. Reproduktion: BelTA.
Mit dem Bau von zwei Eisenbahnen in den Jahren 1871-1874 erhielt Minsk einen großen Entwicklungsimpuls. Die Bahn verband die Stadt mit zentralen Gouvernements Russlands, mit der Ukraine, Polen und baltischen Staaten.

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts war Minsk flächenmäßig um das 10-fache gewachsen.

Im Jahr 1874 besaß es ein Bahnbetriebswerk, eine Wasserleitung und 1892 eine Pferdebahn. 1894 wurde in Minsk ein Elektrizitätswerk fertig gebaut. Seit 1890 wurde hier aktiv telefoniert. In demselben Jahr wurde in der Stadt ein Theater eröffnet.
Als der Erste Weltkrieg begann, wurde an Stelle des Militärbezirks Wilno der Militärbezirk Minsk gebildet. Als im Oktober 1915 die deutschen Truppen an der Linie Dwinsk-Braslaw-Postawy-Smorgon-Baranowitschi-Pinsk aufgehalten wurden, verwandelte sich Minsk in eine Frontstadt.
Die Sowjetmacht wurde in Minsk am 25. Oktober 1917 errichtet. Endgültig gefestigt wurde sie erst 1920 nach der Befreiung der Stadt von der deutschen Armee und von den polnischen Truppen.

Nach dem Bürgerkrieg begann der Wiederaufbau von Minsk. In den 30er Jahren fuhren die ersten Straßenbahnen über die Stadt. Die Menschen freuten sich über die ersten Rundfunksendungen.
Vor dem Großen Vaterländischen Krieg wohnten in der Hauptstadt der Belarussischen SSR mehr als 250 Tsd. Menschen.
Bereits in den ersten Kriegstagen wurde Minsk von Hitlers Luftwaffe in Schutt und Asche bombardiert. In der zerstörten Stadt lag die gesamte Wasser- und Stromversorgung lahm. Zufahrtsstraßen und Bahnlinien waren schwer beschädigt.

Die Verteidigung von Minsk dauerte vom 25. bis zum 28. Juni an. Am Nachmittag des 28. Juni war der Widerstand gebrochen, und die feindlichen Panzer rollten in die brennende Stadt.
In den ersten Kriegswochen formierte sich in Minsk schnell eine Untergrundbewegung.

Während der deutschen Besatzung von Belarus vom 28. Juni 1941 bis zum 3. Juli 1944 richtete das NS-Regime in Minsk und Umgebung mehrere KZs ein, das Vernichtungslager Trostenez und das Ghetto Minsk, wohin die Nazis Juden aus Belarus und einigen deutschen Städten deportierten.
Deutsche Panzer auf der Gorki-Straße, Juni 1941
Das Todeslager Trostenez ist nach der Zahl der dort umgebrachten Opfer das größte Vernichtungslager in der ehemaligen Sowjetunion und das vierte NS-Vernichtungslager in Europa nach Auschwitz, Majdanek und Treblinka.
Das Dampflok-Bw des Güterbahnhofs Minsk während der deutschen Besatzung, 1942. Foto BelTA.
Von deutsch-faschistischen Eroberern wurde Minsk im Zuge der belarussischen Operation „Bagration" am 3. Juli 1944 befreit. Nach der Befreiung lag Minsk in Trümmern.
Sowjetische Panzer- und Infanterietruppen im Kampf um Minsk 1944. Reproduktion: BelTA.

Siegestag in Minsk, 1945

Minsk wurde bis 1950 wiederaufgebaut. Die Restaurationsarbeiten dauerten aber noch mehrere Jahre.
Durch den Erlass des Präsidiums des Obersten Sowjets der UdSSR erhielt Minsk 1974 den Titel „Heldenstadt".
1984 wurde die erste Minsker Metrostrecke in Betrieb genommen. 1990 wurden die U-Bahnstationen der zweiten Linie eröffnet.

Seit 1991 verfügt Minsk über die Merkmale einer modernen Hauptstadt.
Im 21. Jahrhundert ist Minsk als Hauptstadt des unabhängigen Belarus das größte Industrie- und Kulturzentrum. In der Stadt gibt es rund 300 Industriebetriebe, Dutzende Hochschulen, über 150 Bildungseinrichtungen.

Bis heute blieben in Minsk einige historische Denkmäler erhalten. Das sind die Hl. Peter und Paul Kirche, die Maria Magdalena Kirche, die St. Rochus-Kirche, die Kirche des Heiligen Kreuzes, die Alexander Newski Kirche, die katholische Kirche der Heiligen Simon und Helena, die Kirche der Fürbitte der Heiligen Jungfrau.

Die obere Altstadt ist mit der orthodoxen Kathedrale des Heiligen Geistes, der katholischen Mariä-Namen-Kathedrale und dem Stadtrathaus ein Aushängeschild der Stadt. Die Rakowski Vorstadt und der Troizki Vorort sind die begehrtesten Sehenswürdigkeiten der Stadt.

Aber Minsk hat noch viel mehr zu bieten: ein faszinierender Blick auf die Türme des Minsker Tores, eine unvergessliche Stadtrundfahrt über 5 große Plätze auf dem Unabhängigkeitsprospekt, ein Rundgang über den Platz der Unabhängigkeit mit seinem 7 Meter hohen Lenin-Bronzedenkmal und dem wie durch ein Wunder nicht zerbombten Regierungsgebäude, ein entspannter Bummelspaziergang über die seit dem 12. Jahrhundert bekannte Nemiga Straße.
Die Fortsetzung folgt…